Sherlock nahm sein Handy ans Ohr und meldete sich. Johns flüsternde Stimme
drang hektisch aus der Ohrmuschel, im Hintergrund war Stimmengewirr zu hören.
Eine Kulisse wie im Restaurant, schoss es Sherlock durch den Kopf. Und was auch
immer John ihm sagen wollte, es war nicht für sein Date bestimmt. „Sie müssen
mir helfen.“, klang es dumpf aus dem Telefon. Sherlock zog die Stirn kraus.
„Ich bin beschäftigt.“, sagte er leicht schnippisch. Immerhin hatte er John
ebenfalls angeboten, ihn heute zum Dinner zu begleiten, doch er hatte ja etwas
Besseres vorgehabt. „Bitte, Sherlock.“, antwortete John leise und eindringlich.
„Sie ist schrecklich. Sie ist hartnäckig und klebt an mir wie zähes Kaugummi.“
Sherlock lachte kurz auf. „Und was sollte ich Ihrer Meinung nach tun?“ „Ich weiß es nicht genau. Kreuzen Sie hier
irgendwie auf und... zum Teufel, tun Sie meinetwegen so, als wären Sie mein
Freund.“ Sherlock verzog das Gesicht. „Ihr Freund?“ „Sie wissen schon. Meine
Beziehung. Mein Verlobter. Mein Geliebter.“ Sherlock schwieg einen Moment. Das
klang nach einem interessanten Fall, den Sherlock jedoch anders lösen würde,
als John es sich dachte.
„Wo sind Sie?“, fragte er leise und zückte einen Zettel samt einem Kugelschreiber. „Im St. Roses in der Innenstadt.“ Sherlock nickte, der Name dieses Restaurants war ihm geläufig. Kein Sterne-Lokal, dafür hatte John zurzeit nicht das Geld. Offenbar gab sich die Frau trotzdem damit zufrieden, sie wirkte auch nicht wie eine, die es nötig hatte, in die besten Restaurants ausgeführt zu werden. Ohne weitere Worte legte Sherlock auf und begab sich in sein Schlafzimmer. Er öffnete seinen Kleiderschrank, rieb sich die Hände. Das Spiel, dachte er sich, kann beginnen.
„Wo sind Sie?“, fragte er leise und zückte einen Zettel samt einem Kugelschreiber. „Im St. Roses in der Innenstadt.“ Sherlock nickte, der Name dieses Restaurants war ihm geläufig. Kein Sterne-Lokal, dafür hatte John zurzeit nicht das Geld. Offenbar gab sich die Frau trotzdem damit zufrieden, sie wirkte auch nicht wie eine, die es nötig hatte, in die besten Restaurants ausgeführt zu werden. Ohne weitere Worte legte Sherlock auf und begab sich in sein Schlafzimmer. Er öffnete seinen Kleiderschrank, rieb sich die Hände. Das Spiel, dachte er sich, kann beginnen.
John saß seinem Date gegenüber. Sarah war eine in
seinen Augen sehr hübsche Frau Mitte dreißig, doch charakterlich hatte er sie
offenbar völlig falsch eingeschätzt. Ihre blonden, langen Haare wallten über
ihre Schultern hinab bis knapp unter ihrem Brustkorb, ihr Pony verdeckte ihre
Stirn. Ihr Lächeln hatte etwas Unnatürliches, das war das einzige, was ihn
bisher an ihr gestört hatte. Ihre Augen lächelten nicht mit.
Während John nach den ersten zwei Stunden, die sie gemeinsam in diesem Restaurant verbracht hatten, so ziemlich alles erfahren hatte über Sarah und ihr bisheriges Leben (besonders gerne und ausgiebig hatte sie ihm von ihrem Ex-Mann erzählt, der sie betrogen und den sie rausgeschmissen hat), so war er sich ziemlich sicher, dass sie so gut wie nichts über ihn wusste. Im Grunde hatte sie ihn nicht einmal zu Wort kommen lassen, und als er einen Versuch startete, zu gehen, hatte sie ihm diesen Blick zu geworfen, den er nur zu gut kannte. Sie war offenbar sehr interessiert daran, ihm nach Hause zu folgen. Kurze Zeit später hatte sie ihm auch deutlich gemacht, dass sie sich nicht abwimmeln lassen würde.
John, mittlerweile völlig entnervt, warf zwischendurch immer wieder nervöse Blicke auf seine Armbanduhr. Sherlock ließ sich gewaltig viel Zeit. Seufzend schweiften seine Gedanken ab, als Sarah begann, von ihrer Arbeit zu erzählen und den Problemen, die sie mit der neuen Kollegin hatte.
Als John nach ein paar weiteren Minuten, die ihm wie Stunden vorkamen, ein ihm wohlvertrautes Räuspern hinter sich hörte, drehte er sich erleichtert um. In der Tat, Sherlock stand hinter ihm und schenkte ihm ein leicht irritiertes und säuerliches Lächeln. Trotzdem warf es John fast vom Stuhl, als er seinen Mitbewohner vor ihm stehen sah. Es ging weniger um Sherlock selbst, als um seinen Aufzug.
Sherlock trug zwar seinen gewohnten Mantel, von dem hatte er sich offenbar nicht trennen können. Darunter hatte er sich aber vollends verändert: Seine Beine, von Strumpfhosen bedeckt, endeten in hochhackigen High Heels, die seinen Stand eher unsicher aussehen ließ. Er trug ein knielanges, geblümtes Kleid, das oben einen wohlgeformten Busen durch einen V-Ausschnitt betonte. Johns Blick wanderte zu einer zarten, silbernen Halskette hinauf in Sherlocks Gesicht, das kaum wiederzuerkennen war. Unergründlich feminin wirkende Züge wurden durch reichlich Schminke und einem dunkelroten Lippenstift unterstützt. Eine Perücke krönte das ganze Bild, das John einen Moment lang fassungslos zum Schweigen brachte. Er schaute zurück zu seinem Date, die ebenfalls leicht irritiert zu Sherlock starrte. „Wer ist das?“, fragte sie. John konnte leichtes Misstrauen in ihrer Stimme erkennen. „D-das ist... Sh- Sheila. Sheila, das ist Sarah.“, sagte John tonlos. Sherlock lächelte ironisch und nickte. „Ich bin seine Mitbewohnerin.“ Sherlock sprach mit einer betont hohen Stimme, die zwar leicht übertrieben, aber unverkennbar weiblich wirkte. Er prüfte John mit einem schmallippigen Blick. „Du hattest mir gesagt, du kommst um sechs nach Hause, Liebling.“ Die Betonung legte er auf das letzte Wort. „Dann hast du mich angerufen, gesagt, du machst Überstunden. Jetzt komme ich hier zufällig vorbei...“ Sherlock alias Sheila legte seine Stirn in Falten und schaute wütend. Er musste den Satz nicht beenden, John wusste genau, worauf er hinauswollte. „J-ja, das ist ein Geschäftsessen.“, sagte er lahm. Sherlock zog eine Augenbraue hoch und lächelte sarkastisch. „Natürlich, mein Schatz, das sehe ich.“ John schluckte gespielt nervös und befingerte das Tischtuch. Er musste jetzt mitspielen, ob er wollte oder nicht, und er musste überzeugend sein. „Das ist Sarah, und sie arbeitet bei den New York Airlines. Es- es handelt sich um ein Interview. Ich schreibe einen Artikel.“ John mied den Blickkontakt mit Sherlock. Zum einen, um schuldig und betroffen zu wirken, zum anderen, um nicht in Gelächter auszubrechen. „Nun, wenn du nach Hause kommst, dann wirst du deinen Koffer finden und ein von mir persönlich bezahltes Ticket dieser Airlines, damit du sie live und in Farbe erlebst. Für deinen Artikel.“ Sherlock wandte sich um mit dem Gesicht einer sitzen gelassenen Frau und stapfte, so gut es eben ging mit den hohen Schuhen, langsam in Richtung Ausgang. John schaute verlegen zu Sarah. Diese starrte ungläubig zurück. „Sarah, du bist wirklich eine wundervolle Frau.“, sagte er mit einigem Zögern. Dann stand er auf. „Du- du lässt mich wegen der da sitzen?“ Sie nickte mit dem Kopf in Richtung Ausgang und schüttelte ihren Kopf. Sie wirkte noch beleidigter als Sherlock. John zuckte nur mit den Schultern und setzte einen zerknitterten Blick auf, um kurz darauf Sherlock hinterher zu stürmen. Auf halbem Wege holte ihn Sarah ein und hielt ihm am Arm zurück. Für einen kurzen Moment dachte John, dass nicht mal diese ganze Aktion gewirkt hatte, um sie abzuwimmeln, doch dann realisierte er, dass sie mit der Hand ausholte. Leider zu spät, um auszuweichen. „Mistkerl.“, zischte sie ihm zu, bevor sie aus dem Restaurant flüchtete. Seufzend setzte John seinen Weg fort, um Sherlock noch einzuholen. Atemlos kam er auf der Straße neben ihm zum Halt. Sherlock warf einen Seitenblick auf ihn und fing an, zu grinsen. „Es hat ja ordentlich Eindruck hinterlassen.“ John zog die Augenbrauen zusammen. Seine Wange brannte von der Ohrfeige. „Sie hat einen kräftigen Schlag.“, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. Sherlocks süffisantes Grinsen machte seine Wut nicht besser. „Was hat Sie eigentlich an ihr gestört?“, fragte Sherlock neugierig. John schaute ihn zornig an. „Ach kommen Sie schon, Sie fanden sie doch schon die ganze Zeit blöd.“ Sherlock zuckte mit den Schultern. „Gut kombiniert, Dr. Watson. Ich würde gerne aus Ihrem Munde hören, was Sie gestört hat. Was mich gestört hat, weiß ich ja.“ John holte tief Luft und überlegte kurz. „Sie hat unglaublich viel geredet. Es war... schrecklich. Ich habe mich langsam gefragt, ob sie überhaupt geatmet hat. Wissen Sie, sie arbeitet in einem Call Center, da muss sie ja gut reden können.“ „In der Tat. Offenkundig.“ „Was?“ Sherlock holte genervt Luft und schaute John an, als würde er mit einem kleinen Kind reden. „Sie hatte deutlich erkennbare Hautirritationen am rechten Ohr, was, abgesehen davon, dass sie Rechtshänderin ist, darauf schließen lässt, dass sie sehr viel telefoniert.“ John blickte fasziniert zu dem Detective. „Sie sind brillant!“, sagte er fassungslos. „Ich weiß.“, antwortete Sherlock schlicht. „Und Sie denken schon wieder laut.“ Mit diesen Worten winkte er nach einem Taxi, das kurz darauf vor den beiden hielt. Sherlock hielt John die Tür auf, der mit überrumpelter Miene einstieg.
Während John nach den ersten zwei Stunden, die sie gemeinsam in diesem Restaurant verbracht hatten, so ziemlich alles erfahren hatte über Sarah und ihr bisheriges Leben (besonders gerne und ausgiebig hatte sie ihm von ihrem Ex-Mann erzählt, der sie betrogen und den sie rausgeschmissen hat), so war er sich ziemlich sicher, dass sie so gut wie nichts über ihn wusste. Im Grunde hatte sie ihn nicht einmal zu Wort kommen lassen, und als er einen Versuch startete, zu gehen, hatte sie ihm diesen Blick zu geworfen, den er nur zu gut kannte. Sie war offenbar sehr interessiert daran, ihm nach Hause zu folgen. Kurze Zeit später hatte sie ihm auch deutlich gemacht, dass sie sich nicht abwimmeln lassen würde.
John, mittlerweile völlig entnervt, warf zwischendurch immer wieder nervöse Blicke auf seine Armbanduhr. Sherlock ließ sich gewaltig viel Zeit. Seufzend schweiften seine Gedanken ab, als Sarah begann, von ihrer Arbeit zu erzählen und den Problemen, die sie mit der neuen Kollegin hatte.
Als John nach ein paar weiteren Minuten, die ihm wie Stunden vorkamen, ein ihm wohlvertrautes Räuspern hinter sich hörte, drehte er sich erleichtert um. In der Tat, Sherlock stand hinter ihm und schenkte ihm ein leicht irritiertes und säuerliches Lächeln. Trotzdem warf es John fast vom Stuhl, als er seinen Mitbewohner vor ihm stehen sah. Es ging weniger um Sherlock selbst, als um seinen Aufzug.
Sherlock trug zwar seinen gewohnten Mantel, von dem hatte er sich offenbar nicht trennen können. Darunter hatte er sich aber vollends verändert: Seine Beine, von Strumpfhosen bedeckt, endeten in hochhackigen High Heels, die seinen Stand eher unsicher aussehen ließ. Er trug ein knielanges, geblümtes Kleid, das oben einen wohlgeformten Busen durch einen V-Ausschnitt betonte. Johns Blick wanderte zu einer zarten, silbernen Halskette hinauf in Sherlocks Gesicht, das kaum wiederzuerkennen war. Unergründlich feminin wirkende Züge wurden durch reichlich Schminke und einem dunkelroten Lippenstift unterstützt. Eine Perücke krönte das ganze Bild, das John einen Moment lang fassungslos zum Schweigen brachte. Er schaute zurück zu seinem Date, die ebenfalls leicht irritiert zu Sherlock starrte. „Wer ist das?“, fragte sie. John konnte leichtes Misstrauen in ihrer Stimme erkennen. „D-das ist... Sh- Sheila. Sheila, das ist Sarah.“, sagte John tonlos. Sherlock lächelte ironisch und nickte. „Ich bin seine Mitbewohnerin.“ Sherlock sprach mit einer betont hohen Stimme, die zwar leicht übertrieben, aber unverkennbar weiblich wirkte. Er prüfte John mit einem schmallippigen Blick. „Du hattest mir gesagt, du kommst um sechs nach Hause, Liebling.“ Die Betonung legte er auf das letzte Wort. „Dann hast du mich angerufen, gesagt, du machst Überstunden. Jetzt komme ich hier zufällig vorbei...“ Sherlock alias Sheila legte seine Stirn in Falten und schaute wütend. Er musste den Satz nicht beenden, John wusste genau, worauf er hinauswollte. „J-ja, das ist ein Geschäftsessen.“, sagte er lahm. Sherlock zog eine Augenbraue hoch und lächelte sarkastisch. „Natürlich, mein Schatz, das sehe ich.“ John schluckte gespielt nervös und befingerte das Tischtuch. Er musste jetzt mitspielen, ob er wollte oder nicht, und er musste überzeugend sein. „Das ist Sarah, und sie arbeitet bei den New York Airlines. Es- es handelt sich um ein Interview. Ich schreibe einen Artikel.“ John mied den Blickkontakt mit Sherlock. Zum einen, um schuldig und betroffen zu wirken, zum anderen, um nicht in Gelächter auszubrechen. „Nun, wenn du nach Hause kommst, dann wirst du deinen Koffer finden und ein von mir persönlich bezahltes Ticket dieser Airlines, damit du sie live und in Farbe erlebst. Für deinen Artikel.“ Sherlock wandte sich um mit dem Gesicht einer sitzen gelassenen Frau und stapfte, so gut es eben ging mit den hohen Schuhen, langsam in Richtung Ausgang. John schaute verlegen zu Sarah. Diese starrte ungläubig zurück. „Sarah, du bist wirklich eine wundervolle Frau.“, sagte er mit einigem Zögern. Dann stand er auf. „Du- du lässt mich wegen der da sitzen?“ Sie nickte mit dem Kopf in Richtung Ausgang und schüttelte ihren Kopf. Sie wirkte noch beleidigter als Sherlock. John zuckte nur mit den Schultern und setzte einen zerknitterten Blick auf, um kurz darauf Sherlock hinterher zu stürmen. Auf halbem Wege holte ihn Sarah ein und hielt ihm am Arm zurück. Für einen kurzen Moment dachte John, dass nicht mal diese ganze Aktion gewirkt hatte, um sie abzuwimmeln, doch dann realisierte er, dass sie mit der Hand ausholte. Leider zu spät, um auszuweichen. „Mistkerl.“, zischte sie ihm zu, bevor sie aus dem Restaurant flüchtete. Seufzend setzte John seinen Weg fort, um Sherlock noch einzuholen. Atemlos kam er auf der Straße neben ihm zum Halt. Sherlock warf einen Seitenblick auf ihn und fing an, zu grinsen. „Es hat ja ordentlich Eindruck hinterlassen.“ John zog die Augenbrauen zusammen. Seine Wange brannte von der Ohrfeige. „Sie hat einen kräftigen Schlag.“, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. Sherlocks süffisantes Grinsen machte seine Wut nicht besser. „Was hat Sie eigentlich an ihr gestört?“, fragte Sherlock neugierig. John schaute ihn zornig an. „Ach kommen Sie schon, Sie fanden sie doch schon die ganze Zeit blöd.“ Sherlock zuckte mit den Schultern. „Gut kombiniert, Dr. Watson. Ich würde gerne aus Ihrem Munde hören, was Sie gestört hat. Was mich gestört hat, weiß ich ja.“ John holte tief Luft und überlegte kurz. „Sie hat unglaublich viel geredet. Es war... schrecklich. Ich habe mich langsam gefragt, ob sie überhaupt geatmet hat. Wissen Sie, sie arbeitet in einem Call Center, da muss sie ja gut reden können.“ „In der Tat. Offenkundig.“ „Was?“ Sherlock holte genervt Luft und schaute John an, als würde er mit einem kleinen Kind reden. „Sie hatte deutlich erkennbare Hautirritationen am rechten Ohr, was, abgesehen davon, dass sie Rechtshänderin ist, darauf schließen lässt, dass sie sehr viel telefoniert.“ John blickte fasziniert zu dem Detective. „Sie sind brillant!“, sagte er fassungslos. „Ich weiß.“, antwortete Sherlock schlicht. „Und Sie denken schon wieder laut.“ Mit diesen Worten winkte er nach einem Taxi, das kurz darauf vor den beiden hielt. Sherlock hielt John die Tür auf, der mit überrumpelter Miene einstieg.
Auf der Fahrt entledigte sich Sherlock als erstes
von seinen lästigen Schuhen. Es hatte ihm am meisten Mühe gekostet, überzeugend
darin zu laufen. Deshalb hatte er auch so lange gebraucht, John zur Hilfe zu
eilen. Während er begann, die Strumpfhosen von seinen Beinen zu schälen (John
stellte erleichtert fest, dass er Boxershorts darunter trug), befingerte John
nervös seinen Schlips. Einen Seitenblick auf ihn verriet Sherlock, dass er nach
Worten rang. „Bitte, gerne.“, kam er seinem Freund zuvor. John schaute ihn
überrascht an.
Sherlock begann damit, seinen BH, den er unter dem Kleid trug, zu entleeren. „Wie halten Frauen das eigentlich aus, jeden Tag so rumzurennen?“, fragte er angestrengt, während er sich verbog, um den BH an seinem Rücken zu öffnen. John kam ihm zur Hilfe. „Sie haben darin wohl Übung, was?“, grinste Sherlock ihn an. John schoss sofort die Farbe ins Gesicht, was Sherlock zum Lachen brachte. Er war gewissermaßen froh darüber, aus den unbequemen Klamotten heraus zu sein. Er zog seinen schwarzen Mantel im Sitzen über das ärmellose Hemd und die Boxershorts, die er jetzt noch trug. Die Blicke aus der Fahrerkabine ignorierte er.
„Sie hätten auch so kommen können.“, warf John ein. „Natürlich hätte ich das. Aber es hätte Ihrem Image wesentlich mehr geschadet, außerdem hat es so viel mehr Spaß gemacht.“ Er atmete tief durch und lehnte sich gegen den Sitz. „Es hat Ihnen Spaß gemacht?“ „Es war ein Experiment. Sonst hätte ich meine Zeit nicht verschwendet.“ John schwieg einen Moment und räusperte sich dann. „Ich dachte, Sie hätten es getan, um mir zu helfen.“ Sherlock zuckte mit den Schultern. „Das war eine klassische Win-Win-Situation.“
Der Rest der Fahrt verlief relativ ruhig. Sherlock steckte dem Fahrer einen Schein zu, bevor sie das Auto verließen, um kurz darauf vor 221b Baker Street zu stehen. Zufrieden schloss Sherlock die Tür auf und tapste barfuß in die Küche. „Ich gehe duschen. Ich nehme einen Kaffee.“ Und damit verschwand er, um sich die Schminke vom Gesicht zu waschen.
Sherlock begann damit, seinen BH, den er unter dem Kleid trug, zu entleeren. „Wie halten Frauen das eigentlich aus, jeden Tag so rumzurennen?“, fragte er angestrengt, während er sich verbog, um den BH an seinem Rücken zu öffnen. John kam ihm zur Hilfe. „Sie haben darin wohl Übung, was?“, grinste Sherlock ihn an. John schoss sofort die Farbe ins Gesicht, was Sherlock zum Lachen brachte. Er war gewissermaßen froh darüber, aus den unbequemen Klamotten heraus zu sein. Er zog seinen schwarzen Mantel im Sitzen über das ärmellose Hemd und die Boxershorts, die er jetzt noch trug. Die Blicke aus der Fahrerkabine ignorierte er.
„Sie hätten auch so kommen können.“, warf John ein. „Natürlich hätte ich das. Aber es hätte Ihrem Image wesentlich mehr geschadet, außerdem hat es so viel mehr Spaß gemacht.“ Er atmete tief durch und lehnte sich gegen den Sitz. „Es hat Ihnen Spaß gemacht?“ „Es war ein Experiment. Sonst hätte ich meine Zeit nicht verschwendet.“ John schwieg einen Moment und räusperte sich dann. „Ich dachte, Sie hätten es getan, um mir zu helfen.“ Sherlock zuckte mit den Schultern. „Das war eine klassische Win-Win-Situation.“
Der Rest der Fahrt verlief relativ ruhig. Sherlock steckte dem Fahrer einen Schein zu, bevor sie das Auto verließen, um kurz darauf vor 221b Baker Street zu stehen. Zufrieden schloss Sherlock die Tür auf und tapste barfuß in die Küche. „Ich gehe duschen. Ich nehme einen Kaffee.“ Und damit verschwand er, um sich die Schminke vom Gesicht zu waschen.
John seufzte leicht auf. Da hatte er schon gedacht,
Sherlock würde ihm einen Gefallen tun. Er hatte wohl falsch gedacht. Sherlock
tat niemandem Gefallen. Wenn Sherlock etwas Gemeinnütziges tat, konnte man sich
immer sicher sein, dass er irgendein eigenes, egoistisches Ziel verfolgte.
Er brühte zwei Tassen heißen Kaffee auf. Sherlock und er tranken ihn beide schwarz, doch Sherlock trank ihn außerdem mit Zucker. Er ließ zwei Würfelzucker in Sherlocks Tasse gleiten und setzte sich mit den beiden Bechern an den Wohnzimmertisch. Kurz darauf hörte er schon das vertraute Geräusch des Duschvorhangs, der zur Seite geschoben wurde, und das Knarren der Dielen im Flur. John drehte sich um, als Sherlock in Boxershorts und T-Shirt ins Wohnzimmer kam. „Sie sehen besser aus.“, sagte John mit einem leichten Grinsen. Sherlock fing ebenfalls an zu grinsen. „Kommen Sie, sagen Sie mir nicht, ich sah vorher nicht gut aus. Zumindest sah ich deutlich besser aus als Sarah.“ Er setzte sich gegenüber von John auf seinen Sessel. John verzog die Mundwinkel. „Wenn mir etwas an Sarah gefallen hat, dann war es ihr Äußeres.“ Sherlock hob überrascht die Augenbrauen. „Sie stehen auf unechte Frauen?“ John schaute ihn fragend an. „Ist Ihnen das nicht aufgefallen? Brüste, Lippen, Wangen, Stirn, Haare..“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Ihre Brüste passten proportional nicht zu ihrem Körper, man sieht von Weitem, dass sie unecht sind. Außerdem schien sie keinen BH zu tragen, denn die Träger ihres Kleides waren durchsichtig, aber darunter waren keine BH-Träger zu erkennen. Und normalerweise sieht man bei diesen eng-anliegenden Kleidern den BH-Bügel, auch wenn der BH trägerlos ist. Daraus schließe ich, dass ihre Brüste von allein aussehen wie prall gefüllte Luftballons, und das, mein lieber John, dürften sogar Sie wissen, dass das die Schwerkraft nicht zulässt.“ Er holte einmal kurz Luft, doch ließ John trotzdem nicht zu Wort kommen. „Die Lippen haben an den Seiten kleine Risse, die aussehen wie Herpes-Rückstände. Während dieser Hautkrankheit wäre eine Botox-Behandlung riskant, und dieses Risiko ist sie nicht eingegangen, denn ihre Lippen, die langsam wieder eine Auffrischung gebraucht hätten, hatten leichte Einfälle an den Seiten. Das ist der Grund, warum Botox immer wieder nachgespritzt werden muss.“ Er schaute John einen Moment lang an, dann fuhr er fort. „Die Wangen sind dagegen erst kürzlich erneuert worden, ein weiterer Fakt, der meine These von eben stützt, denn hätte sie kein Herpes gehabt, hätte sie die Lippen ebenfalls machen lassen müssen. Normalerweise stehen die Wangenknochen, bei Frauen mehr als bei Männern, und dann bei jedem Individuum anders ausgeprägt, so hervor, dass man schattige Umrisse bei bestimmtem Lichteinfall erkennen müsste. Ihre Wangen waren jedoch so korrigiert, dass sie eher wie eine pralle Fleischwurst aussahen als wie ein menschliches Gesicht.“ Er stockte kurz und überlegte. „Was hatte ich noch gesagt? Die Stirn... Sie ist älter als Mitte dreißig, John, es tut mir Leid wenn Sie das noch nicht wussten. Ihr Körper, dessen Umrisse man gut wegen des eng anliegenden Kleides erkennen konnte, sowie die leichten Irritationen an der Kopfhaut, Haarausfall genannt, der gewöhnlich erst ab vierzig eintritt, den sie vergeblich zu bekämpfen versucht hat, lassen einen darauf schließen. Demnach müsste die Stirn bei einer Frau, die viel und gerne über ihre Probleme redet, mehr Falten aufweisen, da jeder Mensch, wenn er über etwas redet, das ihn aufregt, die Stirn zu Falten zieht. Ja, genauso wie Sie es gerade tun, John. Sie hat sich ihre Stirn straffen lassen. Vielleicht sollten Sie das auch mal tun.“ John entspannte seine Stirn sofort wieder, starrte Sherlock trotzdem weiterhin an. Er überging Sherlocks letzte Aussage. „Sie hatte aber auch keine Lachfalten an den Augen. Sie kann nicht älter sein als vierunddreißig. Das hat sie mir gesagt.“ Sherlock schaute John mitleidig an. „Sie sind so naiv John. Sie lacht nicht viel. Zumindest nicht so, dass es ihre Augen erreicht. Sie scheint eine unglückliche Frau zu sein. Viel zu überarbeitet, von ihrem letzten Freund sitzen gelassen...“ „Sie hat ihn verlassen.“ „Nein, hat sie nicht. Zum einen konnte man ihre Augenringe deutlich erkennen. Die Trennung muss vor nicht allzu langer Zeit gewesen sein, und sie hat offenbar noch nicht den Dreh raus, wie man Make-up geschickt aufträgt.“ „Im Gegensatz zu Ihnen.“ „Lenken Sie nicht ab, John. Sie trug eine eher zarte Halskette, sehr dünn mit einem kleinen Anhänger. Darunter waren deutlich weitere Hautirritationen zu sehen, die einen Anhänger in Form eines Herzens erahnen lassen. Sie hat also nicht nur eine Nickelallergie, sondern auch noch vor kurzem eine herzförmige Kette getragen, die sich gewissermaßen in ihre Haut eingebrannt hat.“ Sherlock seufzte betont laut. „Das Tatoo müsste ja sogar Ihnen aufgefallen sein.“ John blickte ihn fragend an. „Um Gottes Willen, John, wie langweilig muss das sein in ihren kleinen, beschränkten Köpfen?“ Er tat so, als würde er Johns Augenverdrehen übersehen und erklärte sich. „An ihrem Knöchel war ein Henna-Tatoo. An der Farbstruktur erkennt man, dass es kein Echtes ist. Ein eingravierter Name, der mit aller Kraft versucht wurde, abgeschrubbt zu werden. Die Haut um das Tatoo herum ist feuerrot. Hätte sie sich von ihm getrennt und wäre wirklich so genervt und distanziert zu ihrer letzten Beziehung, so würde sie ihm doch wirklich nicht so lange nachtrauern.“ Sherlock lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Sind Sie jetzt fertig?“, fragte John ihn verbissen. Er nickte und schaute sich seinen Mitbewohner an. Er sah müde aus, und leicht geknickt. „Ich treffe immer nur diese Sorte von Frauen.“, beklagte er sich. Diesmal war es Sherlock, der die Augen verdrehte. Er wusste, wo dieses Gespräch mit John hinführen würde. Langweilig. Langweilig, langweilig. „Sie sind immer unecht, haben immer irgendwelche dunklen Seiten, die meisten wollen sonst was von mir, aber nie das, was ich will.“ „John, bitte.“ „Ist doch wahr. Ich will endlich die eine Frau kennenlernen. Wie schwer kann das denn sein? Sie muss denselben Humor haben wie ich. Intelligent muss sie sein, scharfsinnig. Ein bisschen arrogant ist nicht schlimm, über den Dingen stehen, intellektuelle Gespräche mit mir führen können. Ein wenig geheimnisvoll. Ich brauche eine Frau, die das Geheimnis in meinem Leben ist, das ich langsam lösen muss.“ John schwieg einen Moment, dann schaute er zu Sherlock und lief schlagartig rot an. Sherlock schaute unbeirrt zurück. Das Gespräch hatte vielleicht doch noch eine ganz interessante Wendung genommen. Spontan fiel Sherlock nämlich nur eine Person ein, auf den diese ganzen Adjektive passten. „Ich wusste nicht, dass Irene Ihr Typ ist.“ John schaute ihn leicht verwirrt an. „Irene?“ John sah so aus, als wäre sie ihm gar nicht in den Sinn gekommen. „Ja, Irene. Für mich klang es so, als hätten Sie sie geradewegs beschrieben.“ John schaute nachdenklich aus dem Fenster. Mittlerweile war es dunkel geworden und ein wenig kälter. Sherlock stand auf, nahm sich eine Wolldecke und setzte sich wieder in seinen Sessel. „Vielleicht sollte ich sie mal anrufen.“ Diese Worte durchzuckten Sherlock wie einen Blitz. Warum auch immer, fühlte er sich ein wenig gekränkt. Er reckte den Kopf ein bisschen höher. „Da sie Teil unseres Falles ist, halte ich das für nicht sehr angebracht, John.“ John schaute ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Das war Ihnen aber bisher relativ egal.“ Sherlock fühlte, wie seine Wangen anfingen zu glühen. John seufzte leicht auf. „Wissen Sie was? Lassen Sie uns das Thema wechseln.“ Sherlock nickte und schaute zur Seite. „Und im Übrigen, Irene ist nicht im geringsten mein Typ.“ Warum Sherlock das insgeheim erleichterte zu hören, wusste er auch nicht.
Er brühte zwei Tassen heißen Kaffee auf. Sherlock und er tranken ihn beide schwarz, doch Sherlock trank ihn außerdem mit Zucker. Er ließ zwei Würfelzucker in Sherlocks Tasse gleiten und setzte sich mit den beiden Bechern an den Wohnzimmertisch. Kurz darauf hörte er schon das vertraute Geräusch des Duschvorhangs, der zur Seite geschoben wurde, und das Knarren der Dielen im Flur. John drehte sich um, als Sherlock in Boxershorts und T-Shirt ins Wohnzimmer kam. „Sie sehen besser aus.“, sagte John mit einem leichten Grinsen. Sherlock fing ebenfalls an zu grinsen. „Kommen Sie, sagen Sie mir nicht, ich sah vorher nicht gut aus. Zumindest sah ich deutlich besser aus als Sarah.“ Er setzte sich gegenüber von John auf seinen Sessel. John verzog die Mundwinkel. „Wenn mir etwas an Sarah gefallen hat, dann war es ihr Äußeres.“ Sherlock hob überrascht die Augenbrauen. „Sie stehen auf unechte Frauen?“ John schaute ihn fragend an. „Ist Ihnen das nicht aufgefallen? Brüste, Lippen, Wangen, Stirn, Haare..“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Ihre Brüste passten proportional nicht zu ihrem Körper, man sieht von Weitem, dass sie unecht sind. Außerdem schien sie keinen BH zu tragen, denn die Träger ihres Kleides waren durchsichtig, aber darunter waren keine BH-Träger zu erkennen. Und normalerweise sieht man bei diesen eng-anliegenden Kleidern den BH-Bügel, auch wenn der BH trägerlos ist. Daraus schließe ich, dass ihre Brüste von allein aussehen wie prall gefüllte Luftballons, und das, mein lieber John, dürften sogar Sie wissen, dass das die Schwerkraft nicht zulässt.“ Er holte einmal kurz Luft, doch ließ John trotzdem nicht zu Wort kommen. „Die Lippen haben an den Seiten kleine Risse, die aussehen wie Herpes-Rückstände. Während dieser Hautkrankheit wäre eine Botox-Behandlung riskant, und dieses Risiko ist sie nicht eingegangen, denn ihre Lippen, die langsam wieder eine Auffrischung gebraucht hätten, hatten leichte Einfälle an den Seiten. Das ist der Grund, warum Botox immer wieder nachgespritzt werden muss.“ Er schaute John einen Moment lang an, dann fuhr er fort. „Die Wangen sind dagegen erst kürzlich erneuert worden, ein weiterer Fakt, der meine These von eben stützt, denn hätte sie kein Herpes gehabt, hätte sie die Lippen ebenfalls machen lassen müssen. Normalerweise stehen die Wangenknochen, bei Frauen mehr als bei Männern, und dann bei jedem Individuum anders ausgeprägt, so hervor, dass man schattige Umrisse bei bestimmtem Lichteinfall erkennen müsste. Ihre Wangen waren jedoch so korrigiert, dass sie eher wie eine pralle Fleischwurst aussahen als wie ein menschliches Gesicht.“ Er stockte kurz und überlegte. „Was hatte ich noch gesagt? Die Stirn... Sie ist älter als Mitte dreißig, John, es tut mir Leid wenn Sie das noch nicht wussten. Ihr Körper, dessen Umrisse man gut wegen des eng anliegenden Kleides erkennen konnte, sowie die leichten Irritationen an der Kopfhaut, Haarausfall genannt, der gewöhnlich erst ab vierzig eintritt, den sie vergeblich zu bekämpfen versucht hat, lassen einen darauf schließen. Demnach müsste die Stirn bei einer Frau, die viel und gerne über ihre Probleme redet, mehr Falten aufweisen, da jeder Mensch, wenn er über etwas redet, das ihn aufregt, die Stirn zu Falten zieht. Ja, genauso wie Sie es gerade tun, John. Sie hat sich ihre Stirn straffen lassen. Vielleicht sollten Sie das auch mal tun.“ John entspannte seine Stirn sofort wieder, starrte Sherlock trotzdem weiterhin an. Er überging Sherlocks letzte Aussage. „Sie hatte aber auch keine Lachfalten an den Augen. Sie kann nicht älter sein als vierunddreißig. Das hat sie mir gesagt.“ Sherlock schaute John mitleidig an. „Sie sind so naiv John. Sie lacht nicht viel. Zumindest nicht so, dass es ihre Augen erreicht. Sie scheint eine unglückliche Frau zu sein. Viel zu überarbeitet, von ihrem letzten Freund sitzen gelassen...“ „Sie hat ihn verlassen.“ „Nein, hat sie nicht. Zum einen konnte man ihre Augenringe deutlich erkennen. Die Trennung muss vor nicht allzu langer Zeit gewesen sein, und sie hat offenbar noch nicht den Dreh raus, wie man Make-up geschickt aufträgt.“ „Im Gegensatz zu Ihnen.“ „Lenken Sie nicht ab, John. Sie trug eine eher zarte Halskette, sehr dünn mit einem kleinen Anhänger. Darunter waren deutlich weitere Hautirritationen zu sehen, die einen Anhänger in Form eines Herzens erahnen lassen. Sie hat also nicht nur eine Nickelallergie, sondern auch noch vor kurzem eine herzförmige Kette getragen, die sich gewissermaßen in ihre Haut eingebrannt hat.“ Sherlock seufzte betont laut. „Das Tatoo müsste ja sogar Ihnen aufgefallen sein.“ John blickte ihn fragend an. „Um Gottes Willen, John, wie langweilig muss das sein in ihren kleinen, beschränkten Köpfen?“ Er tat so, als würde er Johns Augenverdrehen übersehen und erklärte sich. „An ihrem Knöchel war ein Henna-Tatoo. An der Farbstruktur erkennt man, dass es kein Echtes ist. Ein eingravierter Name, der mit aller Kraft versucht wurde, abgeschrubbt zu werden. Die Haut um das Tatoo herum ist feuerrot. Hätte sie sich von ihm getrennt und wäre wirklich so genervt und distanziert zu ihrer letzten Beziehung, so würde sie ihm doch wirklich nicht so lange nachtrauern.“ Sherlock lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Sind Sie jetzt fertig?“, fragte John ihn verbissen. Er nickte und schaute sich seinen Mitbewohner an. Er sah müde aus, und leicht geknickt. „Ich treffe immer nur diese Sorte von Frauen.“, beklagte er sich. Diesmal war es Sherlock, der die Augen verdrehte. Er wusste, wo dieses Gespräch mit John hinführen würde. Langweilig. Langweilig, langweilig. „Sie sind immer unecht, haben immer irgendwelche dunklen Seiten, die meisten wollen sonst was von mir, aber nie das, was ich will.“ „John, bitte.“ „Ist doch wahr. Ich will endlich die eine Frau kennenlernen. Wie schwer kann das denn sein? Sie muss denselben Humor haben wie ich. Intelligent muss sie sein, scharfsinnig. Ein bisschen arrogant ist nicht schlimm, über den Dingen stehen, intellektuelle Gespräche mit mir führen können. Ein wenig geheimnisvoll. Ich brauche eine Frau, die das Geheimnis in meinem Leben ist, das ich langsam lösen muss.“ John schwieg einen Moment, dann schaute er zu Sherlock und lief schlagartig rot an. Sherlock schaute unbeirrt zurück. Das Gespräch hatte vielleicht doch noch eine ganz interessante Wendung genommen. Spontan fiel Sherlock nämlich nur eine Person ein, auf den diese ganzen Adjektive passten. „Ich wusste nicht, dass Irene Ihr Typ ist.“ John schaute ihn leicht verwirrt an. „Irene?“ John sah so aus, als wäre sie ihm gar nicht in den Sinn gekommen. „Ja, Irene. Für mich klang es so, als hätten Sie sie geradewegs beschrieben.“ John schaute nachdenklich aus dem Fenster. Mittlerweile war es dunkel geworden und ein wenig kälter. Sherlock stand auf, nahm sich eine Wolldecke und setzte sich wieder in seinen Sessel. „Vielleicht sollte ich sie mal anrufen.“ Diese Worte durchzuckten Sherlock wie einen Blitz. Warum auch immer, fühlte er sich ein wenig gekränkt. Er reckte den Kopf ein bisschen höher. „Da sie Teil unseres Falles ist, halte ich das für nicht sehr angebracht, John.“ John schaute ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Das war Ihnen aber bisher relativ egal.“ Sherlock fühlte, wie seine Wangen anfingen zu glühen. John seufzte leicht auf. „Wissen Sie was? Lassen Sie uns das Thema wechseln.“ Sherlock nickte und schaute zur Seite. „Und im Übrigen, Irene ist nicht im geringsten mein Typ.“ Warum Sherlock das insgeheim erleichterte zu hören, wusste er auch nicht.
John saß
Sherlock immer noch gegenüber, doch eine Weile sagten sie beide gar nichts.
John hatte zwar den Themawechsel angesprochen, doch jetzt fiel ihm nicht mehr
ein, was er eigentlich sagen wollte. Worüber sie sprechen könnten. Eine
unangenehme Stille breitete sich im Zimmer aus, die Sherlock schließlich
unterbrach. „Ich habe Hunger. Ich werde mir etwas zu essen machen.“ Er schaute
John fragend an. „Nein, danke, ich brauche jetzt nichts.“, antwortete er und
beobachtete Sherlock, wie er in Richtung Küche ging. Eine Weile lauschte er den
leisen Geräuschen, die er spontan zum Zurechtschneiden eines Apfels zuordnen
würde. Er wurde leicht stutzig. Hatte er Sherlock überhaupt schon einmal essen
sehen? Er wurde aus seinen Gedanken gerissen von einem plötzlichen Aufschrei,
gefolgt von einem Fluchen und dem Ruf seines Namens. „John!“ Er sprang sofort
auf und eilte zu Sherlock in die Küche. Sherlock saß am Boden, an die
Küchentheke gelehnt und hielt eine Hand an den Bauch gepresst. John sah, wie
sich eine kleine Blutlache an seinem T-Shirt ausbreitete. Vorsichtig zog er
Sherlocks Hand aus dieser Position, der daraufhin schmerzerfüllt das Gesicht
verzog. Während John sich um seine Hand kümmerte, schloss er leicht die Augen
und wartete, bis der Schmerz abebbte. John sah nur, wie Sherlock, nachdem er
seine Hand mit einem Verband umwickelt hatte, relativ regungslos und mit
geschlossenen Augen in sich zusammengesackt an der Theke lehnte. Er legte beide
Hände auf Sherlocks Schultern und rüttelte sie sanft, in ihm bahnte sich die
Panik auf. „Sherlock... Sind Sie noch da? Können Sie mich hören?“ Sherlock riss
sofort die Augen auf und schaute ihn leicht irritiert an. „Natürlich kann ich
das, John, ich habe mir nur in den Finger geschnitten.“ Als Sherlock sah, dass
John der Schock ins Gesicht geschrieben stand, räusperte er sich leicht. „Tut
mir leid, ich wollte Ihnen keinen Schrecken einjagen.“ John atmete erleichtert
auf und half ihm auf die Beine. „Sind Sie sich sicher, dass alles in Ordnung
ist?“, hakte er noch einmal besorgt nach, als Sherlock sich schon wieder auf
dem Weg zum Wohnzimmer befand. Er drehte sich noch einmal zu John um, im Gehen.
„Natürlich, John, alles bestens. Sie haben mich schließlich verarztet.“ Während
er sprach und gleichzeitig rückwärts weiterlief, stolperte er über einen Stapel
Zeitungen, der neben dem Küchentisch lag (weil Sherlock meist zu faul war, sie
wegzuschmeißen, legte er sie einfach nach dem morgendlichen Lesen neben seinen
Stuhl) und fiel der Länge nach hin. John sah, wie sein Kopf hart auf den
Fliesen der Küche aufschlug und Sherlock- diesmal wirklich regungslos- liegen
blieb. Mit klopfendem Herzen kniete er sich neben Sherlock und sprach ihn laut
an. Kurzzeitig erhielt er keine Antwort, weshalb er schon einen Krankenwagen
rufen wollte, doch dann regte sich etwas in Sherlocks Gesicht. Hoffnungsvoll
beugte sich John über seinen Mitbewohner und beobachtete, wie sich Sherlocks
Augen langsam und zögerlich öffneten und wie sich seine Lippen bewegten. Er
sprach so leise, dass sich John noch tiefer runter beugen musste, um ihn zu
verstehen. „Vielleicht sollte ich sie doch mal wegräumen.“ Ein Lächeln breitete
sich auf Sherlocks Gesicht aus. Erleichtert lächelte John ebenfalls und warf
einen Blick auf den Zeitungsstapel, der Sherlocks Sturz verursacht hat. „Das
mache ich nachher.“, sagte John. „Ich bringe Sie jetzt erst einmal auf das
Sofa.“
Schon beim Aufstehen merkte Sherlock, dass sich
alles drehte. John stützte ihn zwar, so gut es ging, aber die Übelkeit einer
Gehirnerschütterung breitete sich langsam in seinem Körper aus und ließ ihn
erzittern. „Ich gebe Ihnen eine Decke.“, sagte John sofort, als er sein Zittern
bemerkte. Er half Sherlock in eine bequeme Liegeposition auf dem Rücken, bevor
er eine Wolldecke holte und sie über Sherlock ausbreitete. „Eine Schockdecke.“,
sagte er mit einem leichten Grinsen. Sherlock erwiderte das Grinsen schwach. Da
das Sofa in ihrem Wohnzimmer breit genug war, hatte John noch genügend Platz,
sich neben Sherlock zu setzen. Er beobachtete ihn eine ganze Weile besorgt.
„John, Sie starren mich an.“ „Entschuldigung.“ John stand auf, um zu gehen,
doch Sherlock hielt ihn am Arm fest. „Wo wollen Sie denn hin?“, fragte er. John
konnte einen leichten Anflug von Panik in seiner Stimme ausmachen. „Ich dachte,
Sie wollen vielleicht allein sein und schlafen.“ „Das kann ich auch, wenn Sie
dabei sind. Ich hätte nur... ein sichereres Gefühl, wenn Sie in der Nähe
blieben.“ John schaute den Detective erstaunt an. „Ich bleibe gerne hier.“ Er
setzte sich wieder zu Sherlock. „Wie geht es Ihnen denn jetzt? Kann ich Ihnen
noch irgendetwas bringen?“ Sherlock schüttelte den Kopf. „Nein, es ist alles
bestens. Ruhig liegen ist angenehm.“ Er schaute angestrengt zur Decke und
schloss nach einiger Zeit die Augen.
John bemerkte ebenfalls, wie müde er eigentlich war. Er atmete tief durch und versuchte angestrengt, seine Augen wachzuhalten. Er freute sich, dass Sherlock ihn bei sich haben wollte, doch er merkte nach und nach, dass ihm seine Augenzufielen und ihn in den Schlaf reißen wollten. Für einen Moment überlegte er, dass er sich neben Sherlock legen konnte. Doch dann wurde ihm bewusst, dass Sherlock das durchaus missverstehen könnte. Vielleicht wollte Sherlock diese körperliche Nähe gar nicht. Er kämpfte sich wieder wach, um den Blick wieder auf Sherlock zu richten. Der hatte allerdings auch wieder die Augen offen und schaute ihn, ebenfalls sehr müde an. „Sie können hochgehen, wenn Sie wollen. Ich meine, wenn Sie schlafen wollen.“ John schaute ihn nachdenklich an. „Ich möchte Sie aber nicht alleine lassen.“ Sherlock zuckte mit den Schultern. „Dann schlafen Sie hier.“ Bevor John etwas sagen konnte, wurden seine Schultern von Sherlock in die Waagerechte gedrückt und er fand sich liegend neben seinem Mitbewohner wieder. Relativ bald fielen auch ihm die Augen zu.
Mitten in der Nacht
wurde John davon wach, dass jemand sich an seinem Handgelenk festkrallte. Er
brauchte eine Weile, um festzustellen, wo er war. Dass er neben Sherlock auf
dem Sofa lag, löste ein kleines Kribbeln in ihm aus. Dass Sherlock sein
Handgelenk festhielt, machte ihn allerdings misstrauisch. „Sherlock?“, fragte
er leise. Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Er sah, wie
Sherlocks Augäpfel unter den Lidern zuckten. Außerdem begann er zu murmeln,
ganz leise. John verstand kaum etwas, bis Sherlock zuletzt seinen Namen sagte.
John, etwas gerührt, aber auch besorgt, beugte sich leicht zu Sherlock und
legte ihm eine Hand auf die Wange. „Sherlock... Wachen Sie auf. Sie träumen.“
Mit der Berührung holte er ihn offenbar zurück in die Realität. Sherlock atmete
schwer und schaute John in die Augen. John meinte einen Ausdruck zu erkennen,
den er erst einmal in Sherlocks Augen gesehen hatte. Angst. John bemerkte ebenfalls, wie müde er eigentlich war. Er atmete tief durch und versuchte angestrengt, seine Augen wachzuhalten. Er freute sich, dass Sherlock ihn bei sich haben wollte, doch er merkte nach und nach, dass ihm seine Augenzufielen und ihn in den Schlaf reißen wollten. Für einen Moment überlegte er, dass er sich neben Sherlock legen konnte. Doch dann wurde ihm bewusst, dass Sherlock das durchaus missverstehen könnte. Vielleicht wollte Sherlock diese körperliche Nähe gar nicht. Er kämpfte sich wieder wach, um den Blick wieder auf Sherlock zu richten. Der hatte allerdings auch wieder die Augen offen und schaute ihn, ebenfalls sehr müde an. „Sie können hochgehen, wenn Sie wollen. Ich meine, wenn Sie schlafen wollen.“ John schaute ihn nachdenklich an. „Ich möchte Sie aber nicht alleine lassen.“ Sherlock zuckte mit den Schultern. „Dann schlafen Sie hier.“ Bevor John etwas sagen konnte, wurden seine Schultern von Sherlock in die Waagerechte gedrückt und er fand sich liegend neben seinem Mitbewohner wieder. Relativ bald fielen auch ihm die Augen zu.
„Sherlock, was ist denn los?“ Sherlock antwortete zunächst nicht. Er schien nach Worten zu suchen. „Was haben Sie denn geträumt?“
John wartete auf eine Antwort, doch sie kam nicht. Er akzeptierte es allerdings, wenn Sherlock nicht über seine Träume sprechen wollte. Doch als John gerade wieder die Augen zumachte, hörte er Sherlock heiser flüstern. „Ich war wieder dort.“ John drehte den Kopf wieder zu ihm. „Wo?“, fragte er leise, obwohl er es eigentlich schon wusste. „In Baskerville.“, antwortete Sherlock, und seine Stimme brach. Eine Weile lauschte John Sherlocks Atem, der sich langsam wieder zu beruhigen schien. Dann sprach er. „Ich verstehe Sie, Sherlock. Wir alle haben ihn gesehen. Es war wirklich schrecklich. Aber es ist vorbei. Jetzt eben war es nur ein Traum, aus dem Sie wieder aufgewacht sind. Und ich bin da.“ Sherlock nickte und schluckte. Dann schüttelte er jedoch den Kopf. „Nein, John, das meine ich nicht. Der Hund... Er war nicht das schrecklichste, was ich erlebt habe.“ John schaute ihn überrascht an. „Was denn sonst?“ Sherlock schaute wieder angestrengt an die Decke und suchte nach Worten. „Das Gefühl, einen Freund verloren zu haben.“ John schaute ihn betroffen an. John wusste, dass Sherlock eigentlich nur einen Freund hatte, und das war er selbst, Dr. John Watson. Er wusste auch, dass er Sherlock nicht geglaubt hatte, als er den Hund zum ersten Mal gesehen hatte. „Sherlock, Sie müssen zugeben, die ganze Geschichte war sehr unglaubwürdig.“ Sherlock schaute unbeeindruckt an die Decke. „Ich stand ganz alleine da, John. Ich war mir in diesem Moment zum ersten Mal bewusst, wie viel Ihre Unterstützung Wert ist. Wie sehr ich Sie an meiner Seite brauche. Und wie einsam ich ohne Sie bin.“ John schluckte leicht und schwieg. Er hatte solche Worte noch nie aus Sherlocks Mund wahrgenommen. Er spürte, wie sich eine leichte Wärme in ihm ausbreitete. „Ich bin doch da, Sherlock. Es war ein Fehler, ich weiß. Aber jetzt bin ich doch an Ihrer Seite.“ Dass Sherlock immer noch sein Handgelenk umklammerte, wurde ihm jetzt bewusst, da Sherlock seinen Griff lockerte. Allerdings nicht, um ihn loszulassen, sondern um seine Hand in Johns zu schieben. John betrachtete die verschränkten Finger eine Weile und sagte nichts. Dass sich zu der Wärme im Inneren auch eine leichte Nervosität und das unendliche Gefühl der Freude ausbreiteten, machte ihn nachdenklich.
Das Zimmer war relativ kalt und John spürte eine Gänsehaut auf seinen Armen. Auch Sherlock schien sie zu bemerken, denn er zog John dichter zu sich, sodass sie beide unter der Decke liegen konnten. John warf einen Seitenblick zu Sherlock, der schon wieder die Augen geschlossen hatte. „Ja, Sie sind da.“ John begann auf Sherlocks Worte hin, sanft mit seinem Daumen über Sherlocks Handrücken zu streicheln. Ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er drehte den Kopf, sodass er Sherlock direkt ins Gesicht sehen konnte. Auch er lächelte, selig. Fast wie ein Engel, schoss es John durch den Kopf. John war sich ziemlich sicher, dass Sherlock schon eingeschlafen war, doch er konnte die Augen nicht von ihm lassen. Er fühlte sich glücklich, hier neben Sherlock, händchenhaltend, Sherlock beim Schlafen zusehend. Doch offenbar schlief dieser gar nicht, denn plötzlich brach dessen Stimme die nächtliche Stille im Raum. „Sie haben mich beschrieben, oder?“ John schaute ihn fragend an. „Wie bitte?“ „Als sie vorhin von der perfekten Frau gesprochen haben, da haben sie nur charakterliche Züge beschrieben, die auf mich passen.“ „Das haben Sie ja früh gemerkt.“ Sherlock öffnete die Augen und starrte ihn an. „Das haben Sie extra gemacht?“ „Natürlich nicht. Aber... ich schätze, ich habe mich so an das Leben mit Ihnen gewöhnt, dass ich mir kein anderes vorstellen könnte. Ich weiß nicht. Ausziehen aus 221b Baker Street, zusammen mit jemandem, der nicht so ist wie Sie? Ich würde Sie tatsächlich vermissen.“ Sherlock lächelte. „Warum bleiben Sie dann nicht hier?“
Mit seinen Worten im Kopf schlief John ein, begleitet vom sanften Lächeln, das er zuletzt auf Sherlocks Gesicht gesehen hatte, ihre beiden Hände immer noch ineinander verschränkt, als wollten sie sich nie wieder loslassen.
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